Unsere Werte sind nicht verhandelbar – keine Kooperation mit RB Leipzig!

Sonderzug nach Fürth
26. November 2019

Am heutigen Samstag, den 11.01.2020 wird unser VfL ein Testspiel gegen RB Leipzig bestreiten. Wir lehnen solch eine freiwillige Kooperation mit dem Konstrukt RB Leipzig ab und fordern alle Verantwortlichen beim VfL auf, die Werte des Vereins auch im Tagesgeschäft zu leben.

Gekauft, verheimlicht und in Widerspruch zum Leitspruch „Tradition lebt von Erinnerung“ hat der VfL sich entschieden, einem Testspiel gegen RB Leipzig zuzustimmen. So nachvollziehbar der Reiz eines Tests gegen den Tabellenführer der Bundesliga sein mag, so gut das Verhältnis zwischen unserem Cheftrainer und Julian Nagelsmann sein mag und so willkommen die Gelegenheit sein mag, die Kosten für dieses Spiel erstattet zu bekommen, so wenig deckt sich diese Entscheidung mit den Werten, für die der VfL stehen möchte. Von einem Julius-Hirsch-Preisträger erwarten nicht nur wir aus der aktiven Fanszene, dass sich nachhaltiges Engagement für eine positive und bunte Fußballkultur nicht auf Lippenbekenntnisse beschränkt.

Dietrich Mateschitz, der Red Bull Gründer und Geldgeber, gibt Faschisten der „identitären Bewegung“ Raum, ihre menschenverachtenden Ideologien über seine Kanäle zu verbreiten. Er ist schon häufiger durch rechtspopulistische Äußerungen aufgefallen. Das allein wäre Grund genug, Konstrukte, die durch Red Bull gestützt werden, zu boykottieren, erst recht, wenn man sich selbst „gegen Rechts“ auf die Brust schreibt. Dazu kommt der sportliche Aspekt.

Red Bull betreibt mit seiner „Stützpunktpolitik“ massive Wettbewerbsverzerrung, schachert sich Spieler zwischen den Clubs, die eigentlich in Konkurrenz zueinander stehen sollten, hin und her und tritt FairPlay mit Füßen. Im Gegensatz zu vielen anderen kritikwürdigen und fragwürdigen „Vereinen“ der Bundesliga ist RB Leipzig ein Werbeträger, der Fußball allein als Marketinginstrument missbraucht und sich kein Stück um 50+1 schert. Folgerichtig sind Mitbestimmung und Fußballkultur, die über das Spieltagserlebnis hinausgeht, dort Fehlanzeige.

Soweit die nüchternen Fakten. Schlimmer noch hat uns negativ beeindruckt, dass man sich beim VfL über die Problematik, wenigstens in Bezug zur hiesigen Fanszene, offenbar bewusst war und deshalb der Geheimhaltung durch Leipzig zustimmte, anstatt den Test offensiv zu kommunizieren. Wohl im Wissen um die Ablehnung im Umfeld des Vereins. Diese Art der Entscheidungsfindung und Umgehung eines kritischen Diskurses betrachten wir als unwürdig für einen Verein, der oft genug das „Wir“ beschwört.

Wie wenig die politischen Werte für das Tagesgeschäft relevant zu sein scheinen, hat nicht auch zuletzt die Entscheidung gezeigt, in der Türkei ein Trainingslager zu bestreiten – ein Land, für das aktive Reisewarnungen bestehen. Es hätte dem VfL gut zu Gesicht gestanden, hier eigene Akzente zu setzen, anstatt nur Listenpreise zu vergleichen und Fragen der Demokratie und Meinungsfreiheit vollends auszublenden.

Auf lange Sicht kommen dem VfL diese kurzsichtigen Entscheidungen teurer zu stehen, denn Glaubwürdigkeit ist unbezahlbar. Wir fordern alle Verantwortlichen beim VfL auf, die Werte unseres Vereins zu leben und in die operativen Entscheidungen miteinfließen zu lassen! Keine freiwillige Zusammenarbeit mit RB Leipzig!