In lila-weiß vereint? – Der Verein am Scheidepunkt.

Ankündigung zum letzten Heimspiel
28. April 2018

„Ca. 3000 Mitglieder sind viel zu wenig“ befand Präsident Manfred Hülsmann am 01. März 2018 in der NOZ und kündigte eine Kampagne zur Werbung neuer Mitglieder an. Nur drei Monate später scheint man Angst vor der eigenen Courage und vor allem Angst vor den neuen potentiellen Mitgliedern bekommen zu haben.

Du willst Mitglied werden? Darüber entscheiden andere.

Ein fataleres Signal als die nun laut der Fanabteilung eingeführte „Prüfung“ der Mitgliedsanträge kann ein Präsidium kaum senden. Die Einzelfallprüfung neuer Mitglieder wirft Fragen auf, die schnellstmöglich beantwortet gehören. Das Präsidium vertraut offenkundig seinen Mitarbeitern, Ehrenamtlichen und Mitgliedern nicht und verwehrt ihnen in Zukunft die eigenständige Aufnahme neuer Mitglieder.

Jedes neue Mitglied erklärt sich mit der Annahme der Satzung durch die Leistung der eigenen Unterschrift einverstanden. Darum kann es bei der Prüfung also nicht gehen, wie sollte das auch aussehen? Fast zynisch wirkt die große Mitgliederoffensive des VfL, wenn nur drei Monate später die Einzelfallprüfung eingeführt wird. Das selbstredend in völliger Intransparenz – nichts anderes sind Mitglieder und Fans leider seit Jahren vom VfL Osnabrück gewöhnt. Warum wird geprüft? Was wird geprüft? Wie wird geprüft? Vor dem Hintergrund, dass ein rechtsextremes Mitglied bisher trotz vehementer Proteste noch immer Teil des e.V. ist, wirkt die neue Gesinnungsprüfung, um nichts anderes kann es sich hier handeln, wie ein Schlag ins Gesicht.

Juristisch mag die neuerliche Prüfung haltbar sein, aber wer nur ein Stück Fingerspitzengefühl besitzt und Fettnäpfchen lieber aus dem Weg geht, anstatt sie zielsicher anzuvisieren, der sollte sich ob der Wirkung dieser neuerlichen, überflüssigen wie ineffektiven Maßnahme durchaus im Klaren sein: Wer so weit weg von der Basis lebt, der merkt selbst das nicht mehr. Selbstherrlichkeit und Wagenburgmentalität – eben jene Vorwürfe, mit denen sich die kritische Basis der Mitglieder oft ausgesetzt sieht, werden hier durch das Signal des Präsidiums zur Perfektion gebracht. Statt „In lila-weiß vereint“ ist man so im „Schwarz-Weiß-Denken isoliert“. Es sind genau diese Signale, die einen ernsthaften Dialog nahezu unmöglich machen. Diskussionsrunden nur um sich zu vergewissern, dass Sprech- und Hörvermögen noch vorhanden sind, mögen in einigen Betrieben der städtischen Wirtschaft zum Alltag gehören. Für Menschen, die ehrenamtlich und aus einer inneren Überzeugung heraus für eine Sache, eine Idee, eine Lebenseinstellung wie den VfL einstehen, sind sie einfach nur frustrierend.

Es gibt euch und es gibt uns

Welches Bild gibt der VfL ab? Seit Jahren werden die Hürden, sich im und um den VfL zu engagieren, erhöht. Man denke nur einmal an das Theater um den Wahlausschuss. Die offensichtliche Fehlkonstruktion, nach der der Geschäftsführer seine Kontrolleure aussucht, hatte Geschäftsführer Jürgen Wehlend noch eingestanden, sein Mandat soll er nicht wie von ihm selbst angeregt niederlegen, sondern – wohl gemerkt auf Vorschlag des Präsidiums – nur sein Stimmrecht abgeben. Warum?
Kandidaten, die sich für ein Amt beim VfL wählen lassen möchten, müssen zuvor durch den Wahlausschuss „auf Eignung“ geprüft werden, ohne selbst transparent zu sein. Warum?

Wahlausschuss, Kandidatenvorauswahl und jetzt die Gesinnungsprüfung neuer Mitglieder. Die Führungsriege des VfL hat in den vergangenen Jahren alles dafür getan sich weiter abzuschotten, Transparenz zu predigen und das Gegenteil zu leben. Ein kleiner elitärer Zirkel, der sich seiner Sache einig ist, will offenbar nicht durch andere, vielleicht sogar in der Sache konträre Meinungen gestört werden und lässt kein Manöver aus, um offenzulegen, wie wenig Interesse man beim VfL an neuen, engagierten Mitgliedern und externer Expertise hat. Man kann das als „Führungsstärke“ verkaufen, oder aber in einem demokratisch und pluralistisch organisierten Verein, der zudem für sich die Gemeinnützigkeit beansprucht, als Versuch, die satzungsgemäßen Gremien, die eben diesen Pluralismus gewährleisten sollen, gleichzuschalten. Ja, es ist anstrengend sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen (und diese auch ernst zu nehmen) und ja, dies „kostet“ Zeit. Allerdings ist der VfL Osnabrück, zumindest offiziell, noch kein städtisches Unternehmen.

Kein Stück VfL Osnabrück?

Bei der so gepriesenen Mitgliederkampagne geht es daher auch offensichtlich nicht um neue Mitglieder, sondern neue Beiträge. Die einzige Form von Engagement, die beim VfL erwünscht zu sein scheint, ist die regelmäßige Überweisung. Nicht Mitglieder, sondern Kunden sollen gewonnen werden, denen man eine neue Jacke schenkt, wenn sie ihre Meinung draußen lassen. Made in Absurdistan.
Wir sind alle ein Stück VfL Osnabrück – aber einige sind es scheinbar mehr als andere.