Violet Crew

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Geschichte

Der erste ultraorientierte Zusammenschluss in Osnabrück gründete sich Mitte der Neunziger mit dem Namen “Viola Chaos”, welcher durch Pyroeinlagen und andere kleinere Aktionen auffiel. Damals war “Ultra” natürlich noch ein Fremdwort in Osnabrück und auch in anderen Städten ging es in dieser Hinsicht eher mau zu.

So beschlossen ein paar “Viola Chaos” Mitglieder die Sache unter neuem Namen (“Violet Boys”) aufzuziehen da man bisher eben eher eine Randerscheinung geblieben war. Die “Violet Boys” hatten nun mehr Mitglieder zu verzeichnen man konnte schöne Pyroaktionen bewundern (die ja zu dieser Zeit in der 3.Liga noch toleriert wurden) und es tauchten die ersten Doppelhalter etc. in Osnabrücks Fanszene auf.

Ab dem Jahr 1997 versuchten sich dann weitere mehr oder weniger ultraorientierte Gruppen bzw. Fanclubs wie “Osna on Tour”, die “Pyro Piraten” oder “Vater Unser” an den mittlerweile legendären Pyroshows die die zu dieser Zeit das Markenzeichen der Ostkurve an der Bremer Brücke waren. Auch ältere Fanclubs wie “Bremer Brücke” etc. hatten einen hohen Anteil daran dass die Kurve – nach Spielzeiten in denen teilweise nur 600 Zuschauer zu manchen Heimspielen kamen – wieder anfing zu “leben”.

Auch auswärts begleiteten mehr Supporter den VfL, zünden gehörte damals mehr oder weniger zur Normalität und wurde auch noch nicht so streng geahndet wie heutzutage, dafür war eine gewisse Kreativität in Sachen Support und Aktionen allerdings kaum zu spüren.

Als 1999 die “Ultra-Welle” dann so richtig nach Fan-Deutschland übergeschwappt war und in jeder Stadt die New-Balance tragenden Balkenschal-und-Umbro-Pulli-Ultragruppierungen aus dem Boden schossen, entschied man sich in Osnabrück ebenfalls eine erste “Übergruppierung” mit dem Namen “Viola Squad” zu gründen.
Diese Gruppe konnte nun stärker auf Kurvenshows setzen und bewies dies in Choreografien in Meppen, oder beim Aufstiegsspiel in Berlin (“Ihr seid Eisern ? Wir sind Gold”).

Trotz dieser Erfolge blieb “Viola Squad” nur ein kleiner Teil der Kurve und hatte auch keinerlei Einfluss der notwendig gewesen wäre um die Kurve zu formen und in Sachen Stimmung und Support nach Vorne zu bringen. Lediglich die Präsentation durch Choreos hatte sich ein wenig verbessert.

Ein Jahr später gründete sich eine zweite Ultra-Gruppierung, die “Ultras Osnabrück” welche in bestimmten Dingen etwas andere Ansichten vertraten als “Viola Squad”. Während VS oftmals stärker den Kompromiss mit Offiziellen suchte und dadurch eine bessere Stellung bei Verein etc. genoss und auch insgesamt mehr Choreos durchführen konnte, ging UO eher auf Konfrontation mit den Regeln, generell wurde gezündet, ob auswärts oder zu Hause, die eigene Kurve sang auch schonmal gegen die Gruppe, zudem bekannte UO sich offen zur Gewalt beim Fussball (z.B. gegen willkürlich handelnde Polizisten oder Ordner) und lehnte diese nicht ab.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten zwischen beiden Gruppierungen besann man sich allerdings in der Saison 2001/2002 darauf dass man nur gemeinsam etwas erreichen konnte. Man arbeitete nicht gegeneinander sondern miteinander und konnte so einige Erfolge verbuchen und der Osnabrücker Fanszene einen besseren Ruf verleihen.
Da man sah dass die Unterschiede wirklich nicht mehr so gravierend waren und sich in beiden Gruppierungen ebenso schon diverse Rückgänge der Mitgliederzahlen andeuteten wurde mehr und mehr deutlich, dass ein Zusammenschluss aller ultraorientierten Gruppen in Osnabrück erneut nötig war. Dies wurde noch durch die Tatsache unterstrichen dass es auch jüngere und kleine Gruppierungen gab die ebenfalls eingebunden werden sollten.

Auf in eine neue Ära – Violet Crew 2002

Im Sommer des Jahres 2002 entstand also die Übergruppierung “Violet Crew”. Mit über 50 Mitgliedern startete man in die Regionalligasaison und konnte zunächst neue Akzente in Sachen Choreografien setzen, Blockfahnen gegen Dynamo Dresden, Preussen Münster, eine Pyroshow in Babelsberg oder Riesendoppelhalter gegen die Amateure von Borussia Dortmund sind nur einige Beispiele dafür.

Für Aufsehen sorgte eine Pyro-Aktion in Heimspiel gegen Rot-Weiss Essen als nach einem kurzfristigen Verbot einer Wunderkerzenaktion die Kurve brannte und neben zig Bengalen auch massig Rauch für eine Verzögerung des Anpfiffs und Atembeschwerden bei so manchem Ostkurvengänger sorgte, sowie einen Besuch der Polizei im A-Block der Ostkurve nach sich zog, beim dem nur mit Mühe und unter Widerstand der Kurve ein “Täter” herausgezogen werden konnte.

Als Folge dessen verständigte sich die “Violet Crew” mit Fanbeauftragtem und Ordnungsdienst auf eine bessere Kommunikation untereinander und einen Pyro-Verzicht bei Heimspielen. Im Gegenzug dazu hatten/haben wir nun in Sachen Choreografien “freie Hand”, in der Regel wird alles genehmigt (ausser Pyro natürlich).

Trotzdem standen und stehen wir immernoch am Anfang unserer “Entwicklung” was wir vor allem in der Rückrunde unserer ersten Saison zu spüren bekamen. Denn auch wenn es weiterhin schicke Choreos gab war “nicht alles Gold was glänzte”, obwohl der Aufstieg des VfL natürlich die Euphorie förderte und diverse interne Probleme zunächst hinten anstanden.

In der zweiten Liga reduzierten wir die Anzahl der Choreografien und versuchten uns in dieser Hinsicht eher auf Klasse statt Masse zu beschränken. Höhepunkt war sicherlich die Stoffblockfahne über die komplette Ostkurve welche einen überdimensionalen “VfL Osnabrück” Schal darstellen sollte. Leider gab es in der gesamten Saison nur einen einzigen Auswärtssieg, der auch noch am 1.Spieltag in Ahlen stattfand. Zudem befand sich die Mannschaft fast die ganze Saison über auf einem Abstiegsplatz.

Nichtsdestotrotz wurde zu weiten Spielen fast immer ein eigener VC-Bus eingesetzt, nach Aachen, als man schon längst abgestiegen war, sogar ein Doppeldecker. Die Mannschaft dankte es nicht, war eine einzige Katastrophe und wurde z.B. in Karlsruhe mit dem nackten Hinterteil der Fans konfrontiert oder in Aue mit Schneebällen beworfen. Zu recht, denn diese Mannschaft war es nicht wert für den VfL spielen zu dürfen.

Die Saison 2004/2005 brachte neue Herausforderungen, ein völlig neues Verhältnis zur (neuen) Mannschaft und natürlich auch das eine oder andere Problem mit sich.
Was zu Beginn der Saison mit einer einfachen Fahne “Amateurteams raus aus Liga 3″ anfing, endete nur Monate später in einer Demonstration gegen die Zweitvertretungen der Bundesligamannschaften in der Regionalliga. Faktisch hat sich an den daraus resultierenden Problemen immernoch nichts geändert und es wird noch ein langer Kampf hier ernsthaft Veränderungen bewirken zu können.

Die Mannschaft machte uns in dieser Saison (wie bereits erwähnt) viel Freude und spielte trotz der geringen Erwartungen bis zum Ende um den Aufstieg mit, der dann leider in Kiel nicht Wirklichkeit werden sollte. Trotzdem konnte und kann man speziell zu unserem Team in dieser Saison ohne Zweifel behaupten dass es die Mannschaft mit dem höchsten Identifikationsfaktor seit vielen vielen Jahren ist und der oft so leicht dahergesagte Satz “Wir sind stolz auf unser Team” wirklich der Wahrheit entsprach. Auch das Kapitel “Meyer auf dem Zaun” endete in dieser Saison.

In der Saison 2005/2006 und auch darüber hinaus standen und stehen wir vor neuen Problemen und Herausforderungen. Zum einen drückte die sportliche Situation stark auf die Motivation vieler Kurvengänger in Sachen Support. Wir versuchten zwar neue Lieder einzubringen und es gab auch ein paar Spiele in denen die Ostkurve akustisch recht überzeugend war (Heimspiele gegen Jena, Mainz oder Lübeck). Doch bei der Erwartungshaltung “Aufstieg” (die ja selbst der Vereinsvorstand vor der Saison geschürt hatte um die Euphorie anzuheizen) und dem Ergebnis (unteres Mittelfeld) war die Enttäuschung über die allzu oft auf dem Feld dargebotene unbefriedigende Leistung der Mannschaft spürbar. Auch in Bezug auf Choreos verzichteten wir in dieser Spielzeit zum Ende hin bewusst auf größere Aktionen (von der Choreo in MS abgesehen), da unser Team diese einfach bei einer solchen Situation nicht verdient hätte.

Nichtsdestotrotz arbeiteten wir während der Saison an der optischen Verschönerung der Kurve, indem viele neue Schwenkfahnen, Doppelhalter, Zaunfahnen, etc. erstellt wurden. Auch im Rahmen von Fahnen-Maltagen wurde allen Fans (auch welchen die nicht in der Ultra-Szene engagiert sind) die Möglichkeit geboten, eigene Fahnen etc. herzustellen und so für die Osnabrücker Fanszene aktiv und kreativ zu sein.

Die Spielzeit 2006/2007 begann für die Kurve und Szene durchwachsen. Hatten wir zu Beginn noch drei aufwendigere Choreos gegen Düsseldorf, Dresden und Braunschweig durchgeführt, so folgten – angefangen mit einem kleineren Zwischenfall beim Magdeburg-Auswärtsspiel – immer stärkere Differenzen mit bestimmten Verantwortlichen beim VfL und auch bestimmten “szenekundigen Beamten”. Parallel dazu oder vielleicht auch gerade deswegen zeigte die Ultraszene noch mehr an Geschlossenheit und konnte zu Hause wie Auswärts oftmals ein gutes Bild abgeben (z.B. beim 3-0 in Ahlen).

Zur Winterpause konnte immerhin mit einigen Verantwortlichen beim Verein ein Kompromiss erreicht werden, sodass es in der Rückrunde hier erstmal keine weiteren Konflikte gab. Um unserer Forderung nach Zaunfahnen am Zaun der Ostkurve noch mehr Nachdruck zu verleihen initiierten wir zudem eine Unterschriftenaktion bei der wir mehr als 1.500 Unterschriften sammeln konnten. Leider sieht der VfL (gerade bei einem vollen Stadion) trotz alledem kaum Möglichkeiten diesem Wunsch von Seiten der Fanszene nachzukommen.

Anstatt einseitig nur Sponsoreninteressen (Werbebanden vor der Ost) zu berücksichtigen vielleicht auch mal Faninteressen ernstzunehmen und wenigstens einen Teil des Zauns freizugeben wäre ein Ansatz den die Verantwortlichen überdenken sollten. Sind nicht die Fans der größte Hauptsponsor des Vereins?! Was sind sie dem Verein also wert? Am Ende der Saison konnte unser Verein überraschend doch noch den Aufstieg in die Zweite Liga realisieren.

Die Zweite Liga brachte uns neue Gegner: Gladbach, Köln oder Kaiserslautern statt Hertha Amateure, Wilhelmshaven oder Emden. Aber auch die Einschränkungen von Freiheiten in der Kurve und Repressionen von “Sicherheitsdiensten” und Polizei nahmen (wie erwartet) ein neues ungekanntes Maß an. Dies kann man allerdings nicht auf die ganze Liga beziehen, denn es gab auch Beispiele für vorbildliche Fan-Behandlung: St.Pauli oder auch Aue und Fürth wären hier als solche zu nennen. Auch wurde in der Saison 2007/2008 das Thema Stadionverbote brandaktuell, da es sowohl aus Emden, als auch vom eigenen Verein zweifelhafte Stadionverbote gab und die verantwortlichen Personen eine äußerst kritikwürdige Position hierzu einnahmen. Kritik, die unter anderem auf dem Pasado Viola oder mittels Spruchbändern geäußert werden sollte, wurde entweder verboten oder es wurden im Nachhinein Behauptungen aufgestellt, dass die betreffenden Personen (deren Nennung an dieser Stelle wohl wieder Repressionen nach sich ziehen würde) derartige Verhaltensweisen und Aussagen nie getätigt hätten.

Die Jahreshauptversammlung des VfL Osnabrück nutzten wir auch deshalb um in Sachen Stadionverbote in Osnabrück endlich humanere Regelungen durchzusetzen. Trotz massiven Widerstands und teilweise dreisten Versuchen die Abstimmung über unseren Antrag zu verhindern, gelang es letzten Endes diesen – mit Ausnahme eines Punktes – nicht nur abzustimmen, sondern der Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen!
Doch das war nicht das Ende vom Lied, denn die Sicherheitsverantwortlichen versuchten unseren Antrag zu ignorieren und setzten ihre bisherige Praxis fort – sogar das Protokoll von der Jahreshauptversammlung wurde nicht korrekt geschrieben. Ein angebliches Missverständnis, was aufgrund der ausgiebigen Diskussion und deutlichen Formulierung selbst in Medien und Zeitungen eine mehr als billige Ausrede war.

Durch einen weiteren Protest und einen Verzicht bei den übrigen Heimspielen der Saison als Gruppe aufzutreten konnten wir zumindest nun erreichen, dass der Wille und die Abstimmung der Mitgliederversammlung (als höchste Instanz des Vereins) respektiert und umgesetzt wurden.

Die neuen Regelungen (Anhörungsrecht, Einzelfallprüfung, Fan-Gremium, ..) sind somit unserem Antrag, unserer Initiative und unserer Hartnäckigkeit bei der Kontrolle der Umsetzung zu verdanken und waren vorher NICHT von den Verantwortlichen gewünscht, auch wenn diese mittlerweile sogar damit für ihre angebliche Fanfreundlichkeit werben.

Im Sommer 2008 gab es erste Anzeichen, die scheinbar auf eine Verbesserung der Fan-Situation beim VfL hindeuteten. Die nächsten Spieltage werden zeigen inwiefern sich die Lage wirklich entspannt.